Juli 6. 2026

Schweizer Family Office verschärft Manager-Selektion und setzt auf Partnerschaften

Die zunehmende Prüfung externer Vermögensverwalter führt bei Schweizer Family Offices zu höheren Anforderungen an Transparenz und Investmentstrukturen. Das sagen Julian Boaden und Philip Weis, Founding und Managing Partner des Multi Family Offices Bodewise Cottonfield. Gleichzeitig eröffnen strategische Partnerschaften mit anderen Family Offices und Investmentmanagern den Zugang zu internationalen Private Equity Investitionen weit über die Schweiz hinaus.

Das Family Office, dessen Gründerunternehmen Bodewise sich Anfang des Jahres mit Cottonfield zusammengeschlossen hat, beobachtet die Entwicklung von Private Markets-Managern zunehmend kritisch. Im Fokus steht dabei nicht nur die erzielte Rendite, sondern insbesondere die Frage, wie diese erwirtschaftet wurde und ob sie nachhaltig und wiederholbar ist.

„Die Auswahl von Investmentmanagern und die Analyse von Anlagemöglichkeiten nehmen einen grossen Teil unserer Zeit in Anspruch. Entscheidend sind für uns die Menschen hinter den Investments sowie deren Anreizsysteme und Organisationsstruktur“, erklärt Philip Weis gegenüber MandateWire Analysis. Julian Boaden ergänzt: „Aufgrund der Intensität unseres Investment-Screenings lehnen wir zahlreiche Opportunitäten ab, die nicht unseren hohen Qualitätsanforderungen entsprechen.“

Partnerschaften als Zugang zu Private Markets

Kooperationen mit Investmentmanagern und anderen Family Offices haben sich zu einem wichtigen Zugangskanal für Private Markets Investitionen entwickelt.Philip Weis verweist auf die Zusammenarbeit mit dem Münchner Multi Family Office Madaus Capital Partners, das über umfangreiche Erfahrung im Bereich Direct Private Equity verfügt.„Die Partnerschaft verschafft uns Zugang zu einer breiten Palette nicht kotierter Buy-and-Build-Transaktionen in ganz Europa.“

Direktinvestitionen werden über ein stetig wachsendes Netzwerk identifiziert, erklärt Julian Boaden.„Wir investieren gezielt in Direktbeteiligungen mit einem klaren Investmentfokus und einem überzeugenden wirtschaftlichen Geschäftsmodell.“Da viele Mandanten selbst Unternehmerfamilien seien, passten Private Markets Investitionen besonders gut zu deren langfristigem Anlagehorizont.

Entscheidend sei jedoch, solche Beteiligungen stets im Gesamtkontext des Vermögensportfolios zu beurteilen und gleichzeitig Diversifikation und Disziplin sicherzustellen.Zu den jüngsten Investitionen zählt Cutiss, ein Schweizer TechBio-Unternehmen in der klinischen Spätphase, das personalisierte Hauttherapien entwickelt.

Innovationen im Private Market-Bereich

Bodewise Cottonfield verfolgt einen breit diversifizierten Investmentansatz und arbeitet mit spezialisierten Vermögensverwaltern über verschiedene Anlageklassen hinweg. Die Gesamtverantwortung für die strategische und taktische Asset Allocation verbleibt jedoch beim Family Office. Julian Boaden betont zudem die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Investitionsstrukturen. „Wir sind bei Fonds- oder Co-Investment-Strukturen sehr flexibel. Entscheidend ist, was für den jeweiligen Kunden am sinnvollsten ist.“ Für Philip Weis stehen dabei zwei Aspekte im Vordergrund: „Oberste Priorität haben die Interessen unserer Kunden sowie vollständige Transparenz hinsichtlich der jeweiligen Investmentstruktur.“ Die beiden Partner beurteilen auch Innovationen im Bereich Private Markets – etwa Secondary Funds oder Continuation Vehicles – grundsätzlich positiv.

Mit dem Wachstum des Primärmarktes habe sich auch der Sekundärmarkt stark entwickelt, wodurch zusätzliche Flexibilität entstanden sei und bestimmte Anlageklassen attraktiver geworden seien. Continuation Vehicles seien eine logische Weiterentwicklung des Marktes. Dennoch müsse deren wirtschaftliche Logik, Bewertung und Interessengleichheit zwischen allen Beteiligten sorgfältig geprüft werden. „Wir gehen in diesem Bereich sehr selektiv vor“, so Boaden.


Langfristige Vermögensentwicklung mit taktischen Opportunitäten

Neben Private Equity investiert Bodewise Cottonfield gezielt auch in börsenkotierte Unternehmen mit attraktivem Wachstumspotenzial. Ein Beispiel ist Rolls-Royce, dessen Aktien das Family Office 2022 zu Kursen unter einem Pfund erwarb. „Wir waren überzeugt, dass sich sowohl der internationale Flugverkehr als auch das Geschäft mit Flugzeugtriebwerken wieder deutlich erholen würden“, erklärt Boaden. Drei Jahre später wurde die Position nach einer starken Kursentwicklung mit einer Rendite von mehr als dem Zehnfachen verkauft.

Diese Investition verdeutliche den langfristigen und disziplinierten Investmentansatz des Hauses. Bei der Asset Allocation berücksichtigt das Family Office sowohl die langfristigen Ziele der Unternehmerfamilien als auch den Bedarf nach kurzfristiger Liquidität. Ist ein Vermögen stark auf ein Familienunternehmen oder einzelne Vermögenswerte konzentriert, bestehe die Aufgabe des Family Offices darin, „das Gesamtvermögen schrittweise und pragmatisch zu diversifizieren, ohne Veränderungen zu erzwingen.“

“Das Multi Family Office ist bei der Strukturierung von Fonds- und Co-Investment-Lösungen sehr flexibel und orientiert sich stets daran, welche Lösung für die Familie am besten geeignet ist.”

Konsolidierung der Schweizer Family Office-Landschaft

Julian Boaden und Philip Weis lernten sich während ihrer gemeinsamen Zeit im Private Banking bei HSBC in der Schweiz kennen und sammelten dort zusammen fast zwanzig Jahre Erfahrung. 2022 gründeten sie Bodewise mit dem Ziel, Familien unabhängig zu beraten und dabei ihre umfassende Erfahrung im Portfoliomanagement sowie ihr Verständnis dafür einzubringen, wie Unternehmerfamilien Vermögen tatsächlich nutzen und über Generationen denken. Laut Philip Weis spiegelt der Zusammenschluss mit Cottonfield Anfang des Jahres die Vision einer generationsübergreifenden Plattform wider. „Wir verbinden komplementäre Kompetenzen und schaffen dadurch die richtige Grösse sowie die notwendige fachliche Tiefe.“

Seit der Fusion lag der Schwerpunkt auf der vollständigen Integration beider Unternehmen – von Prozessen und Reporting bis hin zu Kultur und Arbeitsweise, damit Bodewise Cottonfield heute als einheitliche Plattform auftritt und nicht als zwei parallel arbeitende Organisationen. Julian Boaden verweist darauf, dass Cottonfield bereits früh über die klassische Vermögensverwaltung hinausging und zusätzliche Dienstleistungen wie Vermögensstrukturierung oder generationsübergreifende Nachfolgeplanung entwickelte.

Die Fusion reiht sich in einen breiteren Konsolidierungstrend innerhalb der Schweizer Multi Family Offices ein, da viele Anbieter ihre geografische Präsenz ausbauen und zusätzliche Investmentkompetenzen intern aufbauen. Neben Investmentberatung bietet Bodewise Cottonfield heute auch Leistungen wie Steuerplanung, Nachfolgeplanung und Private Office Services an.

Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs im Family Office-Markt habe sich Bodewise Cottonfield seit seiner Gründung 2022 rasch von einem jungen Marktteilnehmer zu einem langfristigen strategischen Partner für vermögende Familien entwickelt. Julian Boaden sieht insbesondere in der Kombination aus unternehmerischer Agilität, Offenheit für neue Chancen und der Fusion mit Cottonfield die Grundlage für das beschleunigte Wachstum und die Erweiterung des Dienstleistungsangebots.

Übersetzt von Financial Times | MandateWire
Rory Sachs, 1. Juli 2026